Offener Brief an die Deutsche Stimme 
 

Offener Brief an die Deutsche Stimme

Robert Korda

Da das Redaktionskollektiv dieser Netzseite ein kurzes aber sehr kritisches Anschreiben seitens der NPD beziehungsweise der Deutschen Stimme erhielt, erlaube ich mir dazu Stellung zu beziehen, insbesondere da meine Person dabei mit einer kleinen verbalen Entgleisung seitens des Verfassers belegt wurde. Daher möchte ich explizit bemerken, daß ich nicht glaube, daß „alle Rechten blöd seien und der Begriffserklärung bedürfen“. Täte ich dies, würde ich wohl kaum hier mitarbeiten. Es gibt sehr wohl einige „Rechte“, deren Meinung ich in den allermeisten Punkten teile. Nachfolgend wird sich zeigen, warum die Klärung von Begriffen wenig mit „Klugscheißerei“ zu tun hat, sondern vielmehr äußerst notwendig zu sein scheint.

Den Mitgliedern des Redaktionskollektivs wird vorgehalten, eine Kritik in der Form wie sie gegen die NPD vorgebracht wurde, nütze nur dem politischen Gegner.

Ich bin gerne bereit zuzugeben, daß die von mir vorgebrachten Kritiken an der politischen Arbeit der NPD und insbesondere an ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit außerhalb des Rahmens der sogenannten kritischen Solidarität lagen und überaus polemisch waren. Jedoch ist die NPD bei der Wortwahl nun auch nicht gerade für ihre Zurückhaltung bekannt. Ich werde versuchen mich nachfolgend jeglicher Polemik zu enthalten.

Obwohl ich bezweifle, daß die Kritiken von mir oder einer kleinen Gruppe von Nationalrevolutionären wirklich etwas bewirken können, versuche ich zu erklären worum es geht. Warum ich diese Form der Kritik überhaupt für angebracht halte erklärt sich daraus, daß die NPD heute in weiten Kreisen der Bundesrepublik stellvertretend in der Öffentlichkeit für die gesamte nationale Bewegung steht!

Nach meiner zugegeben persönlichen Meinung zerschlägt sie sehr viel politisches Porzellan.

Sie möchte und sie kann auch nach meinem Verständnis nicht wirklich eine Veränderung der herrschenden Zustände bewirken.

Es ist für die NPD vielleicht bedauerlich, wenn einige engagierte National-revolutionäre die von ihr eingeschlagene Volksfrontpolitik nicht mittragen können und wollen, aber das hat Gründe.

Die NPD sucht zur Zeit ihren Einflußbereich maßgeblich auszudehnen und kooperiert dabei letztlich mit Kräften, die ich persönlich nur ablehnen und als abgrundtief reaktionär bezeichnen kann. Mit diesen Kräften verbindet mich nichts.

Ich möchte der NPD zwar meinem Respekt für die Leistung, die Partei reformiert zu haben und die organisatorischen Grundlagen für ein Auftreten im Parlament geschaffen zu haben, zollen, in der letzten Zeit überwiegt aber bei einigen National-revolutionären das Unwohlsein anläßlich dessen, was realpolitisch stattfindet.

Gerade der Auftritt im sächsischen Landtag anläßlich des Jahrestages der Bombardierung Dresdens hätte durchaus eine Möglichkeit sein können, der Opfer auf allen Seiten zu gedenken. Dem Hitlerismus sind auch unzählige Nationalrevolutionäre zum Opfer gefallen. In der Deutschen Bartholomäusnacht am 30. Juni 1934 starben laut Otto Strasser an die 900 Menschen, Menschen deren heute in Deutschland kaum noch einer gedenkt.

Ich hatte geschrieben, die alleinige Diskussion über die Opfer des Bombenterrors der Alliierten werde sich relativ schnell in eine reine Diskussion um den „Neonazismus“ verwandeln und damit letztlich dem nationalen Lager schaden. Man mußte kein Prophet sein um dies zu erkennen. Wenn selbst die Landsmannschaft Ostpreußen sich im Zuge der politischen Anpassung genötigt sieht sich von einem sogenannten „Aufmarsch der Neonazis“ zu distanzieren, dann halte ich einiges für daneben-gegangen.

Dazu gibt es zu bemerken, daß die renommierte FAZ, nun wirklich nicht des Nazitums verdächtig, am 12. Februar 2005 schrieb: „Es ist Zeit für einen Abschied von der ´politisch‘ festgelegten Zahl der 35.000 Toten, die Mitte der 50er Jahre von der SED als bindend verkündet und, wie so manches andere, nach der Wende von dem demokratisch legitimierten Stadtregiment übernommen wurde.“

Die Diskussion war entstanden; sie verschwand in Dresden hinter einer Lichterkette mit den Worten „Diese Stadt hat Nazis satt“.

Es war ein Potential da, es wurde verschenkt.

Wenn 8.000 national gesinnte Menschen in Dresden demonstrieren, so darf dies keine Aktion gegen die Bevölkerung, keine Militärparade sein. Die Aktion muß der Bevölkerung erläutert werden. Bis heute vermisse ich auf der Netzseite der DS eine Stellungnahme zum „Trauermarsch“ in Dresden.

Die Äußerung auf der Kundgebung bezüglich der Gleichheit von KZ-Wächtern und Bomberpiloten empfinde ich als empörend. Bomberpiloten waren Wehrpflichtige, die einem Befehl folge zu leisten hatten, niemand hat im Zuge seiner Wehrpflicht in einem KZ Dienst geleistet. Was soll diese Relativierung bewirken?

Es mag Sinn machen, Reaktionen der bundesrepublikanischen Geschichtslobby zu provozieren, damit sie ihre Geschichtslügen erklären muß, aber vielleicht nicht gerade bei einem „Trauermarsch“. Mir drängt sich ständig der Eindruck auf die NPD, DVU etc. befänden sich in einer anderen Zeit und verfolgten Ziele die mit meinem Anspruch nicht übereinstimmen können.

Ich habe volles Verständnis dafür, wenn kurzfristig politisch taktiert werden soll, um langfristige Ziele durchzusetzen. Nur gelingt es nicht nur mir kaum. bei der NPD eine klare taktische Ausrichtung oder ein tatsächliches fundiertes Programm zu entdecken.

Es frustriert mich, wenn ich Zeitungsanzeigen mit dem Text: „Keine Perspektive, Schnauze voll? www.npd_xy“ lese. Unzufriedenheit in der Bevölkerung kann und darf nicht der einzige Ansatzpunkt für eine nationale Politik sein.

Darin sehe ich eine grundlegende Verachtung für die werktätige Bevölkerung, von der man glaubt, sie sei nur über kurze provokative Parolen für eine nationale Erneuerung zu gewinnen. Damit spricht man ihr jegliche intellektuelle Fähigkeit ab und erklärt sie für de facto unpolitisch. Daß Völker politisch sein können, hat die Geschichte in ausreichendem Maße gezeigt.

Sieht man sich den Maßnahmenkatalog der NPD unter dem Titel „Das kann Wirklichkeit werden“ an, so fällt auf wie sehr sie immer noch propagiert, die Arbeitslosigkeit in diesem Lande hänge kausal mit der Anzahl der hier lebenden Ausländer zusammen. Dies ist eine ungeheuer verkürzte und abwegige Darstellung, die eine grundlegende Analyse des kapitalistischen Systems scheinbar überflüssig macht.

Die Überfremdung in diesem Land ist eine unbestreitbare Tatsache und gegen ein weiteres Fortschreiten der multiethnischen Gesellschaft muß etwas getan werden. Ob das Verständnis dafür aus einem dumpfen „die nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg“ oder aus der Tatsache, daß jedes Volk das Recht hat, seine Kultur und seinen Lebensraum gegen ein Übermaß an Zuwanderung zu schützen, ist alles andere als nebensächlich.

Die NPD scheint der Meinung zu sein, es sei unwesentlich, wie man zu politischem Einfluß gelangt und auf welche Kräfte man setzt, jedoch ohne zu bemerken, daß Kräfte immer in beide Richtungen wirken. Sie betreibt im Übrigen heute den Spagat sich einerseits als „Fundamentalopposition“ zu sehen, anderseits das bestehende System nur reformieren zu wollen. Eine grundlegende Kritik des Kapitalismus findet nicht statt, die NPD mag nicht sehen, daß die „Globalisierung“ und die multiethnischen Gesellschaften logische Folgen des entwickelten Kapitalismus sind.

In besagtem Aktionsprogramm der NPD wird nicht mit einem Wort auf die Frage eingegangen, wer in diesem Lande die ökonomische Macht hat und ob oder wie sie dies ändern möchte. Zwar gibt es im umweltpolitischen Programm der NPD die „Verstaatlichung von Großbetrieben und Konzernen“, die dem Programm der NPD entspräche; aber zu welchem Zweck soll das geschehen? Eine genauere Ausführung bezüglich der Verstaatlichung sucht man leider vergebens.

Für den einzelnen Lohnabhängigen ist es vollständig irrelevant, wer denn nun der Eigentümer des Unternehmens ist, solange er Lohnabhängiger bleibt und vom Partizipieren am gesellschaftlich erwirtschafteten Mehrwert weitgehend ausgeschlossen bleibt. Ob „der Staat“ als Unternehmer eine Verbesserung darstellt sei dahingestellt.

Eine tatsächliche Verstaatlichung von Großbetrieben, also eine Produktion unter Regierungskontrolle, führt zwangsläufig in einen planwirtschaftähnlichen Zustand. Letztlich kann es bei einer Verstaatlichung nur zu staatskapitalistischen Formen kommen. Auch dies scheint mir insgesamt vollkommen unausgegoren zu sein. Oder solidarischer ausgedrückt, vielleicht ist es auch nur nicht genügend erklärt, was eigentlich gemeint ist.

Die Vergesellschaftung, also der Überführung des Privateigentums an Produktions-mitteln in die Hand der Schaffenden, scheint mir nicht Ziel der NPD zu sein. Sie scheint das kapitalistische System national verbessern zu wollen, was sie mit Nationalrevolutionären nicht verbindet, sondern sie gravierend von ihnen unter-scheidet.

Auch die Sichtweise des Gebildes Staat unterscheidet sich diametral. Die NPD schreibt in ihrem Programm, der Staat trage Verantwortung für das Volk. Dies lehne ich aus prinzipiellen Erwägungen ab. Nicht der Staat trägt Verantwortung für das Volk, sondern der Staat muß ein reines Organisationsorgan des Volkes sein. Das herrschende System ist ein kapitalistisches, weil es die innere Logik eines auf Ausbeutung der Werktätigen ausgerichteten Gebildes aufweist. Diese kann man nicht einfach verändern ohne den existierenden Staatsapparat grundsätzlich in Frage zu stellen. Es ist weitgehend unmöglich, die Organe des bestehenden Systems übernehmen und verbessern zu wollen.

Dies sind wichtige Kritiken an der augenblicklichen Realpolitik der NPD die nach meinem Dafürhalten kaum durch eine wie auch immer geartete Volksfrontpolitik und den daraus möglicherweise resultierenden Einfluß zu ertragen ist. Die NPD-Politik der verschwommen Aussagen wird sich dauerhaft nicht positiv auf die nationale Bewegung und auf die NPD selbst auswirken.

Sicherlich mag sich der eine oder andere politische Gegner angesichts der bisher vorgebrachten Polemik und Kritik gegen die NPD freuen. Es stellt sich jedoch die Frage ob, das Ziel einer nationalen Bewegung sein muß, als monolithische Masse ohne innere Widersprüche aufzutreten.

Kritik und Selbstkritik sind die Waffen eines Revolutionärs und wenn sich der politische Gegner darüber freut, so übersieht er die aus dieser Methode resul-tierende Stärke.


 
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