Die
Deutsche Burschenschaft – zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Nachfolgenden
Vortrag hielt Jürgen Schwab am 3. September 2004 auf dem
Haus der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn. Der
nationale Publizist bezog dabei Stellung zu seinem Hinauswurf
bei den beiden Burschenschaften des schwarzblauen Kartells, B!
Thessalia zu Prag in Bayreuth und Akad. B! Germania zu Graz. Die
Ausschlußverfahren waren Folge der Anti-Burschenschaftskampagne,
die Bayerns Innenminister Günther Beckstein und sein „Verfassungsschutz“
im Jahr 2001 losgetreten hatten. Gegenstand des Vortrags ist aber
nicht nur die persönliche Betroffenheit Schwabs, sondern
vielmehr die geistig-moralische Verfassung der Deutschen Burschenschaft
insgesamt.
Sehr geehrte Herren Burschenschafter,
zunächst einmal möchte ich mich bei Ihnen, den Aktiven
der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn, für
die Einladung zu diesem Ferialabend bedanken.
Das Thema, über das ich heute zu Ihnen sprechen werde, lautet:
„Die Deutsche Burschenschaft – zwischen Anspruch und
Wirklichkeit“. Zuallererst gilt es das Thema begrifflich
abzustecken:
Die Deutsche Burschenschaft ist heute ein Verband deutscher Studenten
und Akademiker mit ca. 120 einzelnen Bünden an Hochschulorten
in der Bundesrepublik Deutschland und in der Republik Österreich.
Den Bünden dürften insgesamt 15.000 Mitglieder angehören.
Die DB sowie die Einzelbünde beziehen sich auf eine Tradition,
die bis 1815, das Gründungsjahr der Jenaischen Urburschenschaft
zurückreicht. Mit diesem historischen Bezugspunkt sollte
ein politischer Auftrag verbunden sein, dem die Deutsche Burschenschaft
heute insgesamt nicht mehr gerecht wird. Ersparen Sie mir bitte
den Hinweis darauf, daß einzelne Burschenschafter sich heute
nationalpolitisch engagieren, mancher Bund politische Veranstaltungen
abhält, usw. usf. Auf die wenigen Ausnahmen hinzuweisen,
dokumentiert ja bereits die politische und geistige Not, in der
sich die Burschenschaften heute insgesamt befinden.
Im ersten Teil meiner Ausführungen werde ich Ihnen einen
kurzen Abriß burschen-schaftlicher Geschichte, vor allem
Ideengeschichte bieten. Das meiste wird Ihnen selbstverständlich
bekannt sein. Es soll nur kurz rekapituliert werden, um im Anschluß,
im zweiten Teil meines Vortrags, hieraus Rückschlüsse
auf Gegenwart und Zukunft der Deutschen Burschenschaft zu ziehen.
Doch zunächst zum geschichtlichen Anspruch:
Das geistesgeschichtliche Erbe der Jenaischen Urburschenschaft
Die Burschenschaften haben zweifellos eine eindeutige nationalpolitische,
besser gesagt: befreiungsnationalistische Tradition. Die Burschenschaften
haben ihren histor-ischen Ursprung – wie bereits angesprochen
– in der am 12. Juni 1815 in Jena gegründeten Burschenschaft,
der sogenannten Urburschenschaft. Sie war der Zusammenschluß
Jenaer Studenten, deren Ziele die nationale Einheit aller Deutschen
und die Befreiung von obrigkeitsstaatlichem Regiment waren. Schließlich
war der Kampf gegen Fremdherrschaft der ideelle Dreh- und Angelpunkt
der Jenaischen Urburschenschaft von 1815. Ich zitiere aus deren
Verfassungsurkunde:
„Nur solche Verbindungen, die auf den Geist gegründet
sind, auf welchem überhaupt nur Verbindungen gegründet
sein sollten, auf den Geist, der uns sichern kann, was uns nächst
Gott das Heiligste und Höchste sein soll, nämlich Freiheit
und Selbständigkeit des Vaterlandes, nur solche Verbindungen
benennen wir mit dem Namen einer Burschenschaft.“ (Zitiert
nach: Hans-Georg Balder (Hrsg.): Deutschlands Teilung und die
Deutschen. Eine kritische Betrachtung aus burschenschaftlicher
Sicht. Reihe: Deutsche Burschenschaft, WJK Verlag. Hilden, März
2001, S. 1.)
Viele der damaligen Burschenschafter hatten als Freiwillige an
den Befreiungskriegen gegen Napoleon in den Jahren 1813 bis 1815
teilgenommen. In diesen Befreiungskriegen gegen Napoleon kämpften
nicht nur reguläre Truppen der deutschen Staaten, wie die
von Preußen und Österreich, sondern es bildeten sich
auch Freikorps, die oft aus freiwilligen Studenten und Dozenten
bestanden. Eines dieser Freikorps waren die „Lützower
Jäger“, die in schwarzen Uniformen mit roten und goldenen
Borten kämpften, und die nach den Befreiungskriegen die Jenaer
Burschenschaft gründeten, deren Fahne dann die gleichen Farben,
nämlich schwarz, rot, gold trug. Diese Farben wurden nach
den napoleonischen Befreiungskriegen zum Zeichen für alle,
die sich gegen Fürsten-willkür, Kleinstaaterei stemmten.
Sie versinnbildlichten zwei politische Ziele: Die nationale Einigung
aller deutschen Länder und das Streben nach einer demokratischen
Verfassung. Die großdeutschen Nationalfarben „Schwarz-rot-gold“
haben ihre geschichtliche Wurzel in den Befreiungskriegen und
der Jenaer Urburschenschaft.
Im Jahr 1815, als die Urburschenschaft in Jena am 12. Juni gegründet
wurde, wiedersetzten sich ihre Angehörige den Beschlüssen
des Wiener Kongresses vom Sommer 1815, der eine Zersplitterung
Deutschlands in 38 Teilstaaten festgeschrieben hatte. Das Ziele
der nationalen Einheit wurde trotz Verfolgung und Unterdrückung
immer wieder in die Öffentlichkeit getragen. Das Wartburgfest
am 18. Oktober 1817 in Eisenach bildete einen ersten Höhepunkt
in der burschenschaftlichen Geschichte. Aus Anlaß der dreihundertsten
Wiederkehr der Reformation hatten die mitteldeutschen Burschenschaften
zu einem Treffen auf die Wartburg bei Eisenach (Thüringen)
eingeladen. Das Wartburgfest sollte zugleich die Erinnerung an
die Völkerschlacht bei Leipzig wach halten, bei der 1813
Napoleons Armee, wenn auch unter schweren Opfern, besiegt werden
konnte.
Arndt, Fichte und Jahn als geistige Urväter
Das Streben der Jenaer Urbuschenschaft nach „deutscher Einheit“
in den Jahren 1815 und folgende zehrte aus dem Ideenbestand vor
allem dreier Männer, die als geistige Urväter der burschenschaftlichen
Bewegung gelten: Ernst Moritz Arndt, Johann Gottlieb Fichte und
Friedrich Ludwig Jahn. Insbesondere Friedrich Ludwig Jahn nimmt
in der burschenschaftlichen Ideengeschichte eine zentrale Stellung
ein, wie dies auch die Historikerin Helma Brunck in ihrer Dissertation
herausgestellt hat. Nämlich in der Weise, daß Jahn
vermutlich als erster in schriftlicher Form das – wie er
es nannte – „Deutsches Volkstum“ formulierte.
Ich zitiere aus der gleichnamigen Schrift von Jahn:
„Es ist das Gemeinsame des Volkes, sein innewohnendes Wesen,
sein Regen und Leben, seine Wiedererzeugungskraft, seine Fortpflanzungsfähigkeit“.
Diesen Volkstumsbegriff, den Jahn definiert, ist nun genau das,
was heutige Gutmenschen unter der Rubrik „Rassismus“
ablegen wollen. Nach dem Jahnschen Volkstumsbegriff gehört
man von seiner Abstammung her zu diesem Volk dazu, oder eben nicht.
So einfach ist das. Wie sonst könnte man die Jahnschen Termini
wie „Wiedererzeugungskraft“ oder „Fortpflanzungsfähigkeit“
verstehen. Ein Verfassungs-patriotismus, nach dem Motto, Deutscher
ist, wer sich zu Verfassung, Armee und staatlicher Symbolik bekennt
sowie die deutsche Sprache erlernt, kann damit jedenfalls nicht
gemeint sein.
Der Jahnsche Begriff vom „Deutschen Volkstum“ wurde
in späterer Zeit auch völkisches Prinzip genannt, der
Verband „Deutsche Burschenschaft“ nennt dies heute
– um nicht in die Nähe des Dritten Reiches gerückt
zu werden – „Volkstumsbezogener Vaterlands-begriff“.
Das ist nur eine andere Umschreibung für den gleichen Inhalt
und dies heißt nichts anderes, als daß Deutscher ist,
wer deutscher Abstammung ist.
Diese Position sollte nun eindeutig Gültigkeit besitzen sowohl
für die Aufnahme von Mitgliedern, als auch für die Diskussion
um die deutsche bzw. deutsch-österreichische Staatsbürgerschaft.
Es gilt hierbei klar zu unterscheiden zwischen Auslandsdeutschen
und Fremden, die im Inland leben. Ein Student zum Beispiel, der
deutsche Eltern hat, aber im Ausland (z. B. in Chile oder Rußland)
geboren wurde, kann deutscher Burschenschafter werden; nicht jedoch
ein Türke, der in Wien oder Berlin geboren wurde. Das gleiche
Prinzip läßt sich auch auf die Staatsbürgerschaft
übertragen, Auch hier muß der Burschenschafter klar
Farbe bekennen – nämlich zugunsten des – wie
der Jurist sagt – ius sanguinis und zuungunsten des ius
soli.
Für das burschenschaftliche Selbstverständnis bedeutet
dies auch, daß für den Burschenschafter, der sich dieses
völkischen Prinzips bewußt ist, immer das deutsche
Volk vor irgendeinem deutschen Staat Vorrang erhält. Die
Solidarität gilt zuerst den Lebensinteressen des deutschen
Volkes, der Wert eines Staates auf deutschem Boden bemißt
sich für den Burschenschafter alleine danach, was dieser
in der Lage ist, für die Interessen des deutschen Volkes
zu tun.
Diese kritische Distanz zu den jeweils herrschenden Verhältnissen
ist es, die den Burschenschafter auszeichnen sollte. Dies ist
auch der Grund, weshalb die Burschen-schaften bisher sämtliche
Staaten auf deutschem Boden überlebt haben: die K. u. K.-Monarchie
wie das kleindeutsche Zweite Kaiserreich, die Weimarer Republik
wie den Austrofaschismus, das Dritte Reich wie auch die DDR. Ich
wage auch die Prognose, daß die Burschenschaften, sollten
sie diese kritische Distanz bewahren, auch die BRD und die Republik
Österreich unserer Tage überleben werden. Diese beiden
Staaten sind ja gerade dabei sich selbst aufzulösen, um in
einem europäischen Zentralstaat aufzu-gehen. Als Fazit kann
vorläufig gezogen werden, daß Burschenschaft und Verfassungs-patriotismus
sich gegenseitig ausschließen.
Befreiungsnationalismus als burschenschaftliche Tradition
Hingegen ist der Burschenschafter, der sich seiner Tradition und
Ideale bewußt ist, immer Befreiungsnationalist – wie
dies unmißverständlich die eingangs von mir zitierte
Verfassungsurkunde der Jenaischen Urburschenschaft zum Ausdruck
bringt. Diese befreiungsnationalistische Tradition reicht von
1813 bis 1961 – von der Völkerschlacht bei Leipzig
gegen Napoleon bis zur Verzweiflungstat deutscher Nationalisten
in Südtirol in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts,
an der auch viele Burschenschafter beteiligt gewesen waren.
Es ließe sich über die Geschichte und Tradition der
Burschenschaften noch vieles sagen. Diese Zusammenfassung sollte
nur verdeutlichen, daß der wahre Burschen-schafter, der
sich seiner Tradition bewußt ist und danach handelt, immer
national-revolutionär und völkisch gestimmt ist, immer
die Fremdherrschaft im eigenen Land bekämpft, ob mit der
gezückten Waffe gegen Napoleon oder mit dem freien Wort gegen
die Niederhaltung der deutschen Selbstbestimmung durch den sogenannten
„freien Westen“ heute.
Wir sind heute ein besetztes Land wie zu den Zeiten Napoleons.
Einer der geistigen Väter der burschenschaftlichen Bewegung,
Ernst Moritz Arndt, schrieb in der Zeit der napoleonischen Befreiungskriege
das Lied: „Der Gott der Eisen wachsen ließ“.
In der zweiten Strophe heißt es:
„So wollen wir, was Gott gewollt, mit rechten Treuen halten
und nimmer im Tyrannensold die Menschenschädel spalten: doch
wer für Tand und Schande ficht, den hauen wir in Scherben,
der soll im deutschen Lande nicht mit deutschen Männern erben.“
Das war zur Zeit Arndts eine Anspielung auf die Unehrenhaftigkeit
deutscher Vasallen des sogenannten „Rheinbundes“,
die im Solde Napoleons an der Unterdrückung der Völker
und auch ihres eigenen deutschen Volkes mitwirkten. In Arndts
Sinne müßte man heute auch der deutschen Bundeswehr
vorwerfen, daß sie unter anderem in Afghanistan im US-Interesse
für Tand und Schande ficht. Die Vasallenpolitik wird von
vielen Deutschen mitgetragen.
Die Deutsche Burschenschaft als Bestandteil des politischen
Systems
Doch nun zur Gegenwart: In den zurückliegenden rund zwei
Jahren wurde ich aus den beiden Burschenschaften des schwarzblauen
Kartells, B! Thessalia zu Prag in Bayreuth und Akad. B! Germania
zu Graz, hinausgeworfen, und zwar infolge der politischen Kampagne,
die Bayerns Innenminister Günther Beckstein und sein „Verfassungsschutz“
im Frühjahr 2001 anstrengte. Die Rechtswidrigkeit des „Ausschlusses“
bei Germania Graz soll jedoch nicht das Thema meines heutigen
Vortrages sein.
Der Ausschlußantrag bei Thessalia in Bayreuth wurde vom
Alten Herrn Kurt-Ulrich Mayer gestellt.
Kurt-Ulrich Mayer ist Person des öffentlichen Lebens in der
BRD, weshalb er sicherlich nichts dagegen hat, daß er hier
– in einem teilöffentlichen Vortrag – kritisch
behandelt wird. Er ist CDU-Mitglied und ehemaliger Kreisvorsitzender
der CDU Leipzig. Mayer stammt aus Rheinland-Pfalz, ist also ein
„Wessi“, der unmittelbar nach der politischen Wende
in Mitteldeutschland in den Jahren 1989/90 die Gelegenheit ergriffen
hatte, in Leipzig und Sachsen Karriere zu machen. Daß es
in einem Parteienstaat wie der BRD zu Erlangung bestimmter Ämter
des richtigen Parteibuches bedarf, in Sachsen des Parteibuchs
der CDU, bedarf hier keiner weiteren Erwähnung. Mayer ist
Präsident der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM),
das ist das Kontrollgremium für privaten Hörfunk und
Fernsehen.
Seine politischen Gegner werfen Mayer Selbstbedienungsmentalität
vor. Immer wieder in die öffentliche Kritik ist er aufgrund
der finanziellen Zuwendungen geraten, die er als Präsident
der SLM bezogen hat. Im Jahr 2001 waren dies eine Aufwandpauschale
von 5.500 Mark im Monat, die er für „ehrenamtliche“
Tätigkeit für die SLM erhalten hatte. Die konservative
Junge Freiheit kommentierte dieses Finanzgebaren Mayers mit den
Worten „Filz und Verschwendung“ (Junge Freiheit vom
21.12.2001). Kurt-Ulrich Mayer scheint besonders begabt zu sein
im Aufspüren öffentlicher Gelder. Deshalb gerät
er im Februar 2004 erneut in die öffentliche Kritik. Die
Sächsische Zeitung sieht nun Mayer in die „undurchsichtige[n]
Provisionszahlungen beim Bau des [Leipziger] Zentralstadions“
verwickelt. Mayer selbst bestätigte gegenüber der Zeitung,
für die später gescheiterte Vermittlung eines Investors
100.000 Euro Honorar erhalten zu haben. (Sächsische Zeitung,
19.02.2004) Bereits im Jahr 2003 geriet Mayer „wegen Ämterhäufung
unter Druck“, weshalb er den Vorsitz der Leipziger CDU niederlegte.
(Pressespiegel der Universität Leipzig, 12.03.2003)
Als ich mich infolge meines Ausschlusses bei Thessalia einmal
im Weltnetz mittels der google-Suchmaschine näher mit der
Person Kurt-Ulrich Mayer befaßt hatte, wurde ich aufgrund
seines beruflich-parteipolitischen Gebarens an die Lektüre
des Buches von Erwin K. und Ute Scheuch „Cliquen, Klüngel
und Karrieren“ erinnert. Die Soziologen Scheuch, welche
die realexistierende BRD-Oligarchie am Beispiel der Stadt Köln
untersucht hatten, gelangten zu dem Fazit: „Ein bißchen
Köln ist überall!“ Auch seit 1990 in Leipzig –
ist hier zu ergänzen.
Warum erzähle ich Ihnen hier etwas vom Berufsleben ihres
Verbandsbruders Mayer? Ganz einfach: Mayer ist heute ein Prototyp
des deutschen Burschenschafters, er ist repräsentativ für
einen Teil der Burschenschaften. Kurt-Ulrich Mayer besitzt –
im Gegensatz zu meiner Person – zweifellos gesellschaftliche
Reputation, besitzt er aber ebenso Ehre im Sinne der Urburschenschaft?
Diese eher rhetorische Frage kann sich jeder von Ihnen selbst
beantworten.
Kurt-Ulrich Mayer ist Verfechter der „westlichen Wertegemeinschaft“,
weshalb er seinen Ausschlußantrag gegen mich am 19.10.20002
damit begründete, daß ich NPD-Mitglied, „Verfassungsfeind“,
„Rechtsextremist“, „Antisemit“ und Feind
der USA sei. Diese Schlußfolgerungen zog er nach gründlicher
Recherche meiner Aufsätze, die über das Weltnetz Verbreitung
finden. Natürlich hat Mayer auch die entsprechenden Berichte
meiner politischen Gegner und des „Verfassungsschutzes“
für seine Bewertung herangezogen.
Monate später wurde ich auch von Germania Graz in ein Ausschlußverfahren
genötigt, weil ich in einem Bericht Kritik an den politischen
Beweggründen meiner Gegner bei Thessalia geübt hatte
und dabei Kurt-Ulrich Mayer als Vertreter des „US-Vasallentums
des BRD-Systems“ bezeichnet hatte. Der Vollständigkeit
halber sei erwähnt, daß Mayer bei Formulierung seines
Ausschlußantrages gegen meine Person mir die Berechtigung
abgesprochen hatte, daß ich für mich „Ehre, Freiheit,
Vaterland“, also den Wahlspruch der Deutschen Burschenschaft,
in Anspruch nehme.
Mayer selbst hatte in Folge meines Vorwurfes gegen ihn, er sei
Vertreter des „US-Vasallentums“ keinen Widerspruch
erhoben, obwohl innerhalb des schwarzblauen Kartells mein Bericht
über die Altherren-Vorsitzenden für alle Betroffenen
frei zugänglich gewesen war. Erst die Gremien von Germania
Graz machten die Sache zur „Beleidi-gungsaffäre“,
ergriffen Partei für meine Gegner bei Thessalia, somit auch
für Kurt-Ulrich Mayer. Ich hätte mich daraufhin innerhalb
des Kartells mittels einer Erklärung selbst demütigen
sollen, was ich abgelehnt hatte. Die Behauptung von Germania Graz,
mein Ausschluß habe keinen politischen Hintergrund, ist
somit reine Heuchelei.
Doch verlassen wir nun die schwarzblauen Niederungen und wenden
wir uns dem allgemeinen Problem zu. Die Frage müßte
lauten: Gibt es in den Burschenschaften US-Vasallen, was sicherlich
auch eine Frage der Definition ist? Ein US-Vasall, wie ich ihn
definiere, wird sich sicherlich nicht selbst so bezeichnen, sondern
sein US-Vasallentum in seiner eigenen Terminologie auszudrücken
wissen. Die Schlagworte lauten „Westliche Wertegemeinschaft“,
„Demokratie und Menschenrechte“, „deutsch-amerikanische
Freundschaft“, „Dankbarkeit gegenüber unseren
alliierten Befreiern“, usw. usf. Damit könnte sich
Kurt-Ulrich Mayer wohl identifizieren.
Eine zweifelhafte waffenstudentische „Ehrenordnung“
Die „Causa Schwab“ wirft auch ein Licht auf das mangelnde
Bewußtsein einzelner Burschenschaften und auf ihre Ehrenordnungen
– gerade auch in Österreich. Die Gesellschaft ist schlecht,
innerhalb der eigenen vier Wände ist die Welt noch einigermaßen
in Ordnung, könnte man diese Realitätsflucht umschreiben.
Wer einen Bundesbruder beleidigt ist ein Beleidiger. Der Beleidigte
ist immer ein Ehremann, der so zu behandeln ist.
Nun leben wir aber nicht mehr in der Epoche von Dr. Felix Busson.
Daß ein Waffen-student nach einer militärischen Niederlage
seines Volkes und Staates sich zum Kollaborateur des Besatzungsregimes
macht und von ihm profitiert, hätte wahr-scheinlich das Vorstellungsvermögen
der Altvorderen gesprengt. Wenn ich heute einen Bundes-, Kartell-
oder Verbandsbruder als „US-Vasallen“ bezeichne, riskiere
ich den Verlust meines Bandes, jedoch eine interne Diskussion
um die inhaltliche Berechtigung meines Vorwurfes findet nicht
statt. Burschenschafter sind eben immer Ehrenmänner, wer
einem Bundesbruder nationalen Verrat und dergleichen mehr vorwirft,
kann schnell „unehrenhaft“ ausgeschlossen werden.
Das ist dann die „Umkehrung aller Werte“, von der
Friedrich Nietzsche gesprochen hatte.
Eine Chassierung cum infamia hat nun aber auch ihre gute Seite.
Man braucht keine Rücksicht mehr zu nehmen auf ein Band,
das man noch verlieren könnte. Man kann nun frei reden und
vielleicht – mit Unterstützung Gleichgesinnter –
die Diskussion in die Burschenschaften hineintragen.
Daß ich faktisch – ich rede hier nicht von der Unrechtmäßigkeit
meines „Ausschlusses“ bei Germania Graz – nicht
mehr einem DB-Mitgliedsbund angehöre, muß dabei kein
Nachteil sein. Es stellt sich für mich sowieso die Frage,
was die „Burschenschaft“ eigentlich von ihrer Substanz
her heute noch ist? Manche bezeichnen sie polemisch als „Trachtenverein“
– das würde bedeuten, daß hierbei eine erstarrte
Form gepflegt würde, wobei der Inhalt verloren gegangen sei.
Für mich gliedert sich die Burschenschaft in insgesamt drei
Erscheinungsformen:
Sie ist a) eine Organisation als einzelner Bund und als Verband,
sie könnte b) eine politisch-kulturelle Bewegung darstellen
und müßte c) vor allem als Idee verstanden werden.
Als Anhänger der Denkschule des Deutschen Idealismus begreife
ich die Burschenschaft zuallererst als Idee, als geistige Substanz.
Das war schon bei meinem Eintritt bei Thessalia im Wintersemester
1993/94 so gewesen. Mich hat als Fux zuallererst die burschenschaftliche
Idee der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts interessiert,
der Befreiungsnationalismus gegen Napoleon, die Gedanken von Ernst
Moritz Arndt, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Ludwig Jahn,
auf die ich eingangs meines Vortrages eingegangen bin. Der Lebensbund
an sich ist für mich dann völlig wertlos, wenn er von
diesem geistigen Erbe losgelöst sein sollte. Auf viele DB-Bünde
trifft dies heute zweifellos zu. Viele Burschenschaft verstehen
heute ihren Bund und ihren Verband als „Gartenlaube“,
wobei mit der geistigen Überlieferung burschenschaftlicher
Tradition längst gebrochen wurde. Eingestehen tun sich das
freilich nur die wenigsten.
Die Burschenschaft als Idee
Aus alledem läßt sich schlußfolgern, daß
die Burschenschaft als erstes eine Idee ist, als zweites eine
politisch-kulturelle Bewegung sein müßte und erst als
drittes – als Mittel zum Zweck – eine Organisation.
Heute ist es hingegen genau umgekehrt: Die Burschenschaft ist
nur noch eine Organisation, die sich in erstarrter Form befindet,
es bewegt sich nichts mehr und der Geist ist schon lange zum Erliegen
gekommen.
Diese Einsicht in die Lage setzt freilich intellektuelle Fähigkeiten
voraus. Viele, auch Akademiker, können nur das verstehen,
was sie anfassen und sehen können, was sozusagen für
sie greifbar, begreifbar ist. Sie sind patriotisch gesinnte Materialisten,
die an die moralische und wertmäßige Richtigkeit ihrer
Bänder und Mützen, der Mensur, ihres studentischen Brauchtums
und dergleichen mehr glauben. Sie sehen oftmals nicht die Idee,
die hinter der Symbolik steht. Gerät sie in Vergessenheit,
wird sie gar im Zeitalter der pax americana ins Gegenteil pervertiert,
verkommt die „Burschenschaft“ zur „volkstümlichen
Hitparade“.
Aber wo liegt die Chance zur Besserung? Gibt es überhaupt
eine Aussicht auf Überwindung des burschenschaftlichen Elends?
Ich glaube, nach allem was ich erfahren habe, stehen die Chancen
hierfür schlecht. Die Befreiung des deutschen Volkes –
davon bin ich überzeugt – wird kommen, die Burschenschaften
werden aber dabei insgesamt keine Rolle spielen. Da ich aber Idealist
bin, mich nach wie vor der burschenschaftlichen Idee verbunden
fühle, und als deutscher Idealist mich für eine Sache
ihrer selbst Willen einzusetzen habe, plädiere ich dafür,
daß wir gemeinsam den Versuch wagen sollten – trotz
schlechter Zukunftsprognosen.
Es spielt auch hierbei überhaupt keine Rolle, was die „demokratische
Mehrheit“ in der DB und in einzelnen Bündern dazu zu
sagen hat. „Demokratie“ unter den Bedingungen einer
Fremdherrschaft, die Bewußtlosigkeit bei den Beherrschten
schafft – auch bei Burschenschaftern –, ist sowieso
eine Lüge. Solange Leute wie Kurt-Ulrich Mayer in der BRD
für das „öffentliche Bewußtsein“ und
deren „Kontrolle“ zuständig sind, was allgemein
mit der Lage seit dem 23. Mai 1945, dem Tag der Verhaftung der
Reichsregierung Dönitz zusammenhängt, ist für mich
das mehrheitliche Stimmungsbild, auch bei Burschenschaften, völlig
belanglos.
Revolutionäre Umwälzungen gehen sowieso immer von aktiven
und selbstbewußten Minderheiten aus. Die demokratische Methode,
die für die Burschenschaft zweifellos die richtige ist, funktioniert
immer mittels Meinungsführern, hinter denen Meinungsmacher
stehen, denen Meinungsmittel (Medien) zur Verfügung stehen.
Die großen Medien stehen uns national gesinnten Deutschen
heute sowieso nicht zur Verfügung, die müssen wir fürs
erste einmal Leuten wir Kurt-Ulrich Mayer überlassen.
Die „Burschenschaft von unten“
Schaffen wir uns unsere eigene Gegengesellschaft, befreite Zonen,
die zuerst in den Köpfen beginnen. Die Burschenschaft als
Idee soll uns interessieren. Das Konzept einer „Burschenschaft
von unten“ könnte an den Volkshochschulgedanken von
vor über 100 Jahren anknüpfen, wobei die idealistischen
Quellen, zuallererst die Texte von vor 200 Jahren aufzugreifen,
geistig neu zu durchdringen und bezüglich der gegenwärtigen
Lage zu diskutieren sind.
Dieses Bildungskonzept einer „Burschenschaft von unten“
ist nach Partisanentaktik auszurichten, also von den offiziellen
Herrschaftstrukturen innerhalb der DB-Mitgliedsbünde unabhängig
zu machen. Kein Alter Herr, der glaubt, auf sein Blockparteibuch
und seine Geschäftspartner Rücksicht nehmen zu müssen,
darf zensorischen Zugriff auf unsere Bildungsarbeit gewinnen können.
Über weitere Details muß an dieser Stelle nicht gesprochen
werden.
Ziel
unseres erneuerten deutschen Idealismus soll die Wiedergewinnung
national-staatlicher deutscher Souveränität sein. Alles
andere an Problemen (Überfremdung, Kulturverfall, wirtschaftlicher
Niedergang, soziale Verwahrlosung etc.) ist eine Folge fehlender
staatlicher Souveränität und deshalb dem grundsätzlichen
Ziel „souveräner deutscher Nationalstaat in einer europäischen
Großraumordnung mit Interventions-verbot raumfremder Mächte“
(Carl Schmitt) unterzuordnen. Wer hingegen – wie mancher
naturalistisch und geistfeindliche „Chefideologe“
– meint, es gelte das deutsche Volk zu erhalten –
ohne Wiedergewinnung eines souveränen Nationalstaats, gehört
nicht zu uns. Darüber sollte Klarheit bestehen.
Wenn
wir erst einmal die ideelle Grundlage der Burschenschaft wiedergewonnen
und aktualisiert haben, müßte es darum gehen, diese
zur politisch-kulturellen Bewegung zu formieren – was sie
ursprünglich ja einmal gewesen war.
Burschenschafter sollten sich heute als deutsche Globalisierungsgegner
begreifen, wobei die Globalisierung in Anlehnung an Peter Scholl-Latour
als „globale Amerikanisierung“ und ihr einziges Gegengift
eine Welt souveräner Nationalstaaten und verschiedener Großräume
zu erkennen ist. Diese Botschaft hat eine burschen-schaftliche
Bewegung aus den Häusern hinaus – unters (studentische)
Volk – zu tragen. Geeignete Wortergreifungsmaßnahmen
wären zu planen und umzusetzen.
Die Wortergreifungsmaßnahmen setzen allerdings Selbstbewußtsein
voraus, an dem es den Burschenschaften heute mangelt. Es wird
keine Wortergreifungen ohne Selbstbewußtsein geben. Und
Selbstbewußtsein ist ohne Geist nicht zu haben. Wer Angst
vor seinen eigenen Gedanken hat, weil sie als „rechtsextremistisch“
gelten, seine denkerischen Traditionen vielleicht gar nicht kennt,
der wird sich immer im eigenen Haus verstecken müssen. Wir
kommen deshalb um die geistige Arbeit nicht herum. Oder es wird
alles so bleiben wie es ist – für die Burschenschaften.
Die Welt wird sich natürlich weiter bewegen – auch
ohne die Burschenschaften.
Zuallererst sollten wir uns aber von der Lebenslüge verabschieden,
Burschenschafter würden heute sowieso burschenschaftlichen
Idealen genügen. Der Feind befindet sich heute – in
der Situation der Fremdherrschaft – nicht mehr ausschließlich
außerhalb sondern auch innerhalb unserer Häuser. Man
muß diese Leute nicht so deutlich ansprechen, wie ich es
tue. Ich kann nicht anders, ich muß mich von meinen Lesern
an meinen publizistischen Vorsätzen messen lassen. Aber die
Vertreter der Fremdherrschaft sollten allmählich in die Lage
versetzt werden, sich innerhalb der Bünde für ihr unburschenschaftliches
Verhalten zu rechtfertigen. Warum soll sich auf dem Haus immer
der „Rechtsextremist“ dafür rechtfertigen müssen,
daß er die Lage, die seit 1945 in Deutschland herrscht,
zutreffend beschreibt? Es sollten diejenigen zur Rechenschaft
gezogen werden, die an Deutschlands tiefster Erniedrigung teilhaben
und profitieren!
Lassen Sie mich zum Ende meines Vortrages diesen Gedanken noch
einmal zusammenfassen: Jeder nationalgesinnte Deutsche muß
heute die Fremdherrschaft an seiner eigenen bescheidenen Stelle
bekämpfen; jeder muß die globale Amerikanisierung an
seinem eigenen Platz die Stirn bieten. Wir müssen vor allem
– um es mit dem Soziologen Henning Eichberg auszudrücken
– den Amerikaner in uns selbst bekämpfen. Wir sollten
zuerst den Nutznießer der Fremdherrschaft im eigenen Land
als solchen kenntlich machen. Mahatma Gandhi sagte einmal:
„Kein Volk kann auf die Dauer unterjocht werden, wenn es
nicht irgendwann an seiner Unterjochung mitwirkt.“
Ich meine, in unserem Land wirken viel zu viele an der Fremdherrschaft
mit. Auch in den Burschenschaften. Sehen wir zu, daß sich
dieser Zustand langsam, aber sicher ändert. Politische Veränderungen,
dessen sollten wir uns bewußt werden, beginnen zuallererst
in den Köpfen. Hegel faßt dies in die Worte:
„Die theoretische Arbeit – überzeuge ich mich
mehr – bewegt mehr Zustände in der Welt als die praktische;
ist erst das Reich der Vorstellungen revolutioniert, so hält
die Wirklichkeit nicht aus.“