Herzlich
Willkommen auf den Seiten der Deutschen Akademie
Grundsatzerklärungen
(April
2006)
Projekt
Neue Gemeinschaft
Ein
Seminarteilnehmer hat uns unlängst gefragt, ob es taktisch
geschickt sei, wenn sich die Deutsche Akademie (DA) zum Nationalismus
bekennt. Der Begriff sei doch wohl belastet, man solle sich stattdessen
um „jungfräuliche Begriffe“ sammeln. Wir vom
Sprecherrat der DA hatten dem Seminarteilnehmer erklärt,
daß es uns nicht um taktische Raffinessen gehen kann, sondern
um die zutreffende wissenschaftliche Bezeichnung unseres politischen
Standorts.
So ist „Nationalismus“ nun einmal ein wissenschaftlicher
Begriff (vgl. u. a. Brunner, Conze, Koselleck: Geschichtliche
Grundbegriffe. – Stichworte: „Volk, Nation, Natio-nalismus“).
Ein spezifisch deutscher Nationalismus dreht sich um das Volk
als Ab-stammungsgemeinschaft und seine politische Einheit, den
souveränen Nationalstaat. Das ist das Grundanliegen unserer
Theoriearbeit und unseres Bildungsangebots.
Etwas anderes ist die notwendige Einordnung unseres Grundanliegens,
des deut-schen Nationalismus, in einen größeren Zusammenhang,
die der gegenwärtigen weltpolitischen Lage entspringt. Um
einem häufig vorgebrachten Mißverständnis und
Vorurteil entgegenzuwirken: Für die DA ist deutscher Nationalismus
kein Selbst-zweck. Volk, Nation und Staat haben in unserer Theoriearbeit
eine zentrale Bedeu-tung, sie sind aber keinesfalls Selbstzweck.
Volk, Nation und Staat sind auch nicht das Maß aller Dinge.
Für den Verfasser dieser Zeilen ist Gott der Bezugspunkt
eines ganzheitlichen Denkens.
Den Nationalstaat verstehen wir von der DA als den Bezugsrahmen,
mit dem die kleineren und mittleren Gemeinschaften erst ihren
Schutz finden können. Hier denken wir an Ehe, Familie, Dorfgemeinschaft,
Stadt, Heimatregion, Stämme und Mundartgruppen und Landschaften.
Insofern vertreten wir Nationalisten ein orga-nisches Konzept
von Gemeinschaft. Vielmehr noch sind wir davon überzeugt,
daß unter modernen Bedingungen ein tragfähiges Gemeinschaftskonzept
nur im Bezugs-rahmen des Nationalstaats funktionieren kann. Schließlich
ist das Ordnungsmodel des souveränen Nationalstaats der einzige
Hebel gegen die globale Amerikani-sierung. Die Beispiele des Iran,
Weißrußlands, Venezuelas, Kubas usw. bestätigen
diese Sicht.
Natürlich sind die Nationalstaaten für uns auch die
Bausteine einer europäischen Großraumordnung, wie sie
Carl Schmitt in seiner legendären Schrift vorgedacht hat
(Völkerrechtliche Großraumordnung mit Interventionsverbot
für raumfremde Mächte, 1941).
Hingegen sehen wir in „Eurasien“ keine „Nation“,
sondern eine antiimperialistische Herausforderung. Wie der amerikanische
Politstratege Zbigniew Brzezinski in seinem Buch Die einzige Weltmacht.
Amerikas Stategie der Vorherrschaft (1997) dargelegt hat, ist
die US-Weltherrschaftsbestrebung unbedingt auf die Hegemonie über
das „eurasische Schachbrett“ angewiesen. Weltherrschaft
spielt sich grundsätzlich – und zu allen Zeiten –
nicht in Nord- und Südamerika, Afrika und Australien ab,
sondern auf dem eurasischen Kontinent. Hier befindet sich der
Großteil der Mensch-heit, der Intelligenz, der Rohstoffe
und kulturellen Leistungen. Deshalb steht der deutsche Befreiungsnationalismus,
wie wir ihn verstehen, auch in einem euro-päischen und eurasischen
Zusammenhang, zumal unser wichtigester strategischer Partner,
Rußland, eine zwar überwiegend europäische, aber
auch asiatische Macht ist.
Mit unserem europäischen und eurasischen Ansatz ist selbstverständlich
nicht die (zivil-) religiöse Heilserwartung verbunden, die
Interessengegensätze der Völker und Nationen ließen
sich – etwa auf europäischer oder eurasischer Ebene
– einfach so auflösen. Das Leben der Völker besteht
in Kooperation u n d Konfrontation um Grenzen, Lebensräume
und Ressourcen. Entgegen verschwörungstheoretischer Annahmen
erfindet der US-Imperialist nicht die Interessengegensätze
der Völker, sondern er spielt die vorhandenen Gegensätze
nur mehr oder weniger geschickt gegeneinander aus und verstärkt
sie. Nur auf dieser Erkenntnisgrundlage kann nationenübergreifender
Widerstand gegen den US-Imperialismus erfolgreich geführt
werden. Hier ist im Sinne der Reichsidee die supranationale Kooperation
zu stärken, die zwischennationalen Konflikte als die kleineren
Gegensätze gegenüber der Erkennung des Hauptfeindes
zurückzustellen.
Als Deutsche Akademie sehen wir die Notwendigkeit, den Widerstand
gegen US-Imperialismus, Überfremdung, Kulturverfall und Ausbeutung
zuerst geistig in Deutschland vorzubereiten, um darüber hinaus
in Kontakt und Kooperation zu Bündnispartnern im Ausland
zu treten. Als Bündnispartner kommen in Frage alle vom US-Imperialismus
unterdrückten Völker, auch diejenigen, die dem islamischen
Kultur-kreis angehören. Dabei geht es uns nicht um eine Anbiederung
oder Unterwerfung unter den Islam – Interessengegensätze
sind als solche deutlich auszusprechen –, sondern um einen
selbständigen deutschen und europäischen Beitrag im
interna-tionalen Widerstand gegen Amerikanismus und Globalisierung.
Auch im innerdeutschen Kontext kommen für die DA als Bündnispartner
grund-sätzlich alle Personen und Organisationen in Betracht,
deren Widerstand sich gegen die Globalisierung richtet. Unter
„Globalisierung“ verstehen wir eine „globale
Amerikanisierung“ (Peter Scholl-Latour). Darin ist der Hauptfeind
zu erkennen. Wer diese Einschätzung mit uns teilt, kommt
als Bündnispartner in Betracht.
Wir sollten gemeinsam nach Auswegen aus der kapitalistischen Moderne
suchen. Die USA sind hierbei lediglich als Avantgarde zu erkennen.
Die Ursachen greifen jedoch tiefer. Hierunter verstehen wir die
Ware und den Markt als Fetisch in der kapita-listischen Wirtschaftspolitik,
den gemeinschaftsfeindlichen Individualismus und die Menschenrechtsideologie
als Türöffner für US-Imperialismus.
Wenn wir gemeinsam nach Auswegen aus der kapitalistischen Moderne
suchen, dann ist es nicht grundsätzlich erforderlich, daß
wir in den ordnungspolitischen und metaphysischen Alternativen
zu Amerikanismus, Kapitalismus und Moderne überein-stimmen
müssen. Aber wie sollten in der Lageanalyse und in der Bestimmung
des Hauptfeindes im wesentlichen die gleiche Erkenntnis haben.
In diesem Sinne sind Nationalisten, Sozialisten, Konservative,
Ökologen, Traditionale, Christen und Heiden zur Zusammenarbeit
mit der DA aufgerufen.
Mit „Nationalisten“ meinen wir nicht solche, die sich
Mühe geben, dem System nützlichen Klischee des „Neonazis“
zu entsprechen, wobei wir den lernfähigen Teil des NS-Spektrums
nicht aus unserer Arbeit ausgrenzen. Unter „Sozialisten“
ver-stehen wir diejenigen, die erkannt haben, daß ihr Konzept
einer sozialistischen Gesellschaft nur auf nationalstaatlicher
Ebene realisierbar ist. „Konservative“ akzep-tieren
wir nur, wenn sie wirklich wertebewußt sind und nicht „Konservativismus“
als Tarnbezeichnung für Liberalismus mißbrauchen. Wenn
mit „konservativ“ eine hündische Unterordnung
unter FDGO, kapitalistische Wirtschaft und „westliche Wertegemeinschaft“
gemeint ist, könne wir auf solche falsche „Konservative“
gerne verzichten.
Ökologen sind für uns dann interessant, wenn sie die
Entortung des Menschen als Problem erkennen und somit in ihre
Überlegungen die unterschiedlichen und schützenswerten
Kulturen miteinbeziehen. Bei Traditionalen und Christen wünschen
wir uns, daß sie den Wert der Nation im organischen Gemeinschaftsdenken
aner-kennen, auch wenn sie ihr nicht die gleiche Bedeutung zumessen
wie wir Nationalisten. Von Christen und Heiden erwarten wir uns,
daß sie sich mit uns gemeinsam auf die Suche nach neuer
Gemeinschaft begeben und daß sie – bei allen Gegensätzen
– nicht im Kampf gegeneinander ihre Hauptaufgabe erblicken.
In der Überwindung von Amerikanismus, kapitalistischer Moderne
und in der Suche nach neuer Gemeinschaft sollte unser gemeinsames
Grundanliegen bestehen. Wir können heute noch nicht in das
Rad der Geschichte eingreifen. Wir sollten uns aber schon heute
darauf vorbereiten, daß mit dem Sturz der pax americana
der Weg für alte und neue Formen von Gemeinschaft frei sein
wird und wir verpflichtet sind, hierauf heute schon Antworten
zu geben.
Jürgen
Schwab für den DA-Sprecherrat